Vierte Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie

Extrem ländlich – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

Die vierte Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen hat 75 Teilnehmende in Duderstadt zusammengebracht. Gemeinsam wurde unter dem Titel „Extrem ländlich – Umgang mit rechter Mobilisierung im ländlichen Raum“ über vielfältige Themen diskutiert. Erstmals haben die Partnerschaften für Demokratie aus dem Altkreis Göttingen und dem Altkreis Osterode die Konferenz gemeinsam ausgerichtet.

Grußwort des Kreisrats Marcel Riethig (Foto: Anna Holefleisch)

Die Teilnehmenden zogen eine positive Bilanz und betonten die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Akteuren aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, um demokratiefeindlichen Tendenzen zu begegnen.

Kristin Harney von der Mobilen Beratung Niedersachsen (Zentrum Demokratische Bildung Wolfsburg) hat in ihrem Fachvortrag über rechte Strukturen im ländlichen Raum berichtet und dabei einen Fokus auf Südniedersachsen gelegt. So vielfältig, wie die jeweiligen lokalen Gegebenheiten sind, so vielfältig sind die Handlungsräume, um antidemokratischen Tendenzen zu entgegnen. Soziale Leerräume stellt Kristin Harney als ein Merkmal unter anderen dar, das von rechtsextremistischen Akteuren zur Mobilisierung genutzt wird. Leerräume, wie z.B. fehlende Freizeitangebote für Jugendliche, sollen daher durch demokratische Kräfte gefüllt werden. Gemeinsame Handlungsoptionen konnten die Teilnehmenden anschließend in drei Fachforen diskutieren.

Jonas Huwald (Landkreis Göttingen) hat im Fachforum „Handlungsräume – Kommunale Verwaltungen und die rechtsextreme Szene im ländlichen Raum“ einen Austausch kommunaler Akteure eröffnet. Handlungsräume sind vielfältig und sie müssen situativ gestaltet werden. Dabei gibt es keine allgemeingültige Empfehlung, um das Spannungsfeld „Gleichbehandlung vs. Wehrhaftigkeit“ aufzulösen. Die Vielfältigkeit der Optionen ermöglich jedoch eine demokratische Wehrhaftigkeit gegenüber rechtsextremen Vorfällen. In den Gemeinden besteht eine hohe Expertise zu Handlungsmöglichkeiten, die durch gemeinsame Zusammenarbeit geteilt werden kann.

Fachforum „Handlungsräume – Kommunale Verwaltungen und die rechtsextreme Szene im ländlichen Raum“ (Foto: Anna Holefleisch)

Viktor Wesselak (Bündnis „Duderstadt bleibt bunt“) und Kristin Harney haben im Fachforum „Engagement für einen demokratischen Zusammenhalt“ über die Arbeit zivilgesellschaftlicher Gruppen diskutiert und herausgearbeitet, dass regelmäßiger Widerspruch gegen demokratiefeindliche Tendenzen notwendig ist. Wegsehen ist keine wirksame Strategie, um rechtsextremen Vorfällen zu begegnen. Sie werden dadurch nicht verschwinden. Nur ein gemeinsames Entgegentreten wirkt nachhaltig, wozu die Arbeit in Bündnisses erfolgreich beiträgt.

Fachforum „Engagement für einen demokratischen Zusammenhalt“ (Foto: Anna Holefleisch)

Das Fachforum „Stammtischparolen und populistische Stimmungsmache“ wurde von Achim Bröhenhorst (Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen) durchgeführt. Er hat einen Einblick in vorurteilsbeladene und menschenfeindliche populistische Argumentationsstrategien gegeben. Um diesen Argumentationen entgegenzutreten ist es ebenfalls notwendig, nicht wegzusehen, sondern Haltung zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen. Dadurch können Betroffene gestärkt werden.

Abschlussplenum (Foto: Anna Holefleisch)

Im Anschluss an die Demokratiekonferenz hat Viktor Wesselak aus den Werken Oskar Maria Grafs gelesen und einen Einblick in das Leben des Autors unter dem Motto „Heimat? Freilich – aber nicht mit den Faschisten!“ gegeben.

Die Partnerschaften für Demokratie im Landkreis Göttingen stehen Interessierten für Anfragen gerne zur Verfügung

Kontakte für den Altkreis Göttingen:

Ansprechperson in der Kreisverwaltung: Jonas Huwald, Telefon 0551 525-9164, E-Mail huwald@landkreisgoettingen.de

Externe Koordinierungs- und Fachstelle (Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG): Philipp Kallenbach, Telefon 0551 384210-45, E-Mail p.kallenbach@bildungsgenossenschaft.de

Kontakte für den Altkreis Osterode:

Ansprechperson in der Kreisverwaltung: Peter Dzimalle, Telefon 05522 960-4750, E-Mail: dzimalle@landkreisgoettingen.de

Externe Koordinierungs- und Fachstelle (Jugendring Harzland): Nermin Gürocak, Telefon 01511 4795187, E-Mail: guerocak@vielfalt-osterode.de

FACHTAG Bildungsberatung (Transferagentur Niedersachsen)

„Eine Orientierung für gelingende Bildungsbiografien“ am 17.05.2018 in Ritterhude: die Bildungsberatung der BIGS wurde als gutes Beispiel der trägerneutraleren Orientierungsberatung in Südniedersachsen vorgestellt.

Bildungsbiografien sind heutzutage vielfältig und nicht mehr linear im Verlauf wie früher. Immer stärker stehen die Menschen in der Verantwortung, ihren Werdegang selbst zu gestalten. Andererseits ist die (Weiter)Bildungs- und Beratungslandschaft komplizierter und unübersichtlicher geworden. In dieser Situation fällt die Orientierung oftmals schwer. Um das Thema „Orientierungshilfe für gelingende Bildungsbiografien“ zu diskutieren, kamen am 17.05.2018 Fachkräfte aus Kommunalverwaltungen, Bildungseinrichtungen- und Organisationen zum Fachtag in Ritterhude zusammen. Die Teilnehmenden der Veranstaltung gingen die Frage nach, wie Bildungsberatung für die Gestaltung der individuellen Bildungs- und Berufsbiografien Wege weisen kann und wird dafür zuständig sein.

Fachliche Impulse für den gelungenen Diskussionstag kamen vom Prof. Dr. Clinton Enoch (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit). Am Podiumsgespräch nahmen drei Gäste teil. Marco Schmidt von der Transferagentur Niedersachsen betonte, wie wichtig es sei, die Transparenz über Anbieter und Angebote in den Kommunen zu schaffen, ebenso wie regelmäßiger Austausch und Vernetzung aller regionalen Akteure. Christine Etz von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) und Koordinatorin des Bildungsberatung Netzwerkes Niedersachsen berichtete über die Genese, Entwicklung und aktueller Stand des Landesnetzwerkes. Natalia Hefele von der BIGS eG stellte die Bildungsberatungsstelle der BIGS vor, erzählte über die praktischen Erfahrungen des Beratungsalltags, über die Netzwerkarbeit in der Region Südniedersachsen und über die Hürden und Schwierigkeit der fast zehnjährigen Beratungspraxis (darüber wurde im NL 1 dieses Jahres berichtet). Mit dem Appell an die Kommunen, die existierende und gut funktionierende Bildungsberatungsstelle in ihrer Bildungsplanung zu berücksichtigen: „Die Bildungsberatungsstellen des Landesnetzwerkes ist ein Schatz an Informationen über Ratsuchende und deren Bedarfe, der noch von vielen Kommunen gehoben werden sollte“.

Weitere Aspekte der praktischen Umsetzung der Bildungsberatung in Niedersachsen wurden in den vier Fachforen diskutiert.

Nähere Informationen können Sie der Dokumentation der Transferagentur Niedersachsen entnehmen.

Bilanz und Perspektiven – die Bildungsgenossenschaft sortiert sich

Weniger Formalien, mehr Inhalt. Mit einem neuen Konzept haben sich die Mitglieder der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) am 14.06.2018 zur alljährlichen Versammlung getroffen und im Perspektivworkshop Wege zur Gestaltung der Zukunft bereitet.

Die formellen Teile der Genossenschaftsversammlung wurden auf das Notwendigste zusammengefasst und so lässt sich in aller Kürze berichten, dass die BIGS auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken kann. Die wirtschaftliche Lage ist weiterhin stabil. Vorstand und Aufsichtsrat wurden in ihrer Tätigkeit unverändert bestätigt. Mit einer gefestigten Struktur im Rücken konnten sich die Mitglieder und die Mitarbeiter*innen der Geschäftsstelle unter der Moderation von Irmela Feige auf eine Bilanz und angestrebte Perspektiven der Genossenschaft konzentrieren.

Muss sich die Genossenschaft neu erfinden? Oder ist alles gut, so wie es ist? Diese Fragen beantworten die Mitglieder sehr unterschiedlich, worin sich die vielfältigen Beweggründe der einzelnen Institutionen zeigen, Teil der BIGS zu sein. Ob „alter Hase“ oder neues Mitglied –  das macht einen Unterschied. Und es wird deutlich: Die stete Kommunikation in der Genossenschaft ist wichtig, denn nur so werden die unterschiedlichen Wünsche und Ziele fortdauernd sichtbar.

Die BIGS ist ein einzigartiger Zusammenschluss von Bildungsorganisationen, der die Möglichkeit bietet, Kräfte zu bündeln. Auf gesellschaftliche, wirtschaftliche oder auch politische Entwicklungen können die Mitglieder gemeinsam reagieren und ihren Positionen mehr Gewicht verleihen. In den verschiedenen Workshops hat sich gezeigt, dass dieses Potential stärker genutzt werden soll. Daher wird es im Herbst ein Folgetreffen der Mitglieder geben, um den Entwicklungsprozess, der nun begonnen wurde, fortzusetzen. Neben den bereits existierenden Arbeitsgruppen zur beruflichen Bildung und dem Bereich Integration, soll die AG Politische Bildung wieder neu aufgenommen werden.

Der Perspektivworkshop hat gezeigt, welche Wurzeln die BIGS vereint, welche Vorteile der Zusammenschluss mit sich bringt und dass die Belebung der Genossenschaft ein ständiger Prozess ist. Für die zukünftige Gestaltung der BIGS haben die Mitglieder unterschiedliche Vorstellungen und so muss in dem vereinbarten Folgetreffen herausgearbeitet werden, welche Ziele die Genossen gemeinsam verfolgen möchten.