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Weniger Teilnehmer_innen für Integrationskurse

Weniger Personen in Göttingen nehmen neu an einem Integrationskurs teil. Die Zahl der Eingangstests zur Feststellung des Sprachniveaus ist im vergangenen Quartal stark zurückgegangen. Der Bedarf an Sprachkursen liegt damit deutlich unter den von der Verwaltung im Frühjahr prognostizierten Zahlen.

Während im März 92 Teilnehmer eingestuft wurden, waren es im April nur noch 30. Im Mai stieg die Zahl wieder leicht an auf 40 Einstufungstests. Aktuell laufen 25 Integrationskurse in Göttingen, inklusive der Alphabetisierungs- und Jugendkurse.

Die von der Bildungsgenossenschaft eingerichtete zentrale Koordinierungsstelle wurde an die geänderten Zahlen angepasst. Die im März geschaffene Teilzeitstelle zur Integrationskurskoordination wurde wesentlich über die Pauschalvergütung für das Durchführen der Einstufungstests refinanziert.

Die Bildungsgenossenschaft führt die Einstufungstests für die Integrationskursträger durch. Getestet wird das Deutschniveau der Teilnehmer, anschließend finden wir den passenden Integrationskurs. Die Stelle beinhaltet nicht nur die Durchführung der Tests und Zuweisung an einen Kursträger, sondern auch die Koordinierung des Integrationskursangebots. Somit können Bedarfe erkannt und gedeckt werden – Kurse werden schneller voll und können früher beginnen. Ein weiterer wichtiger Teil der Stelle ist die Kommunikation mit den Behörden. Das Sozialamt, das Jobcenter und die Ausländerbehörde können ihre „Kunden“ zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichten und schicken sie dann zur BIGS, wo der Einstufungstest durchgeführt wird.

Flüchtlinge im Landkreis Goslar: Akzeptanz und Veränderung

Im Frühjahr und Sommer 2016 hat die Studentin Marie Wendt, Studienfächer Ethnologie und Soziologie, bei der Bildungsgenossenschaft ein studienrelevantes empirisches Praktikum im Projekt FairBleib Südniedersachsen-Harz absolviert. Sie konzentrierte sich dabei auf das Projektgebiet Landkreis Goslar, wo das Projekt seit Juni 2015 im Aufbau ist. Sie ist der Frage nach Akzeptanz und Veränderung des Landkreis Goslar durch die starken Zuweisungen von Flüchtlingen nachgegangen und hat sich die Situation unter Gesichtspunkten der empirischen Sozialforschung erschlossen. Die Micro-Studie von Marie Wendt kann demnächst in voller Länge in der Geschäftsstelle der BIGS eingesehen werden.

Flüchtlinge im Landkreis Goslar

Akzeptanz und Veränderung in der Region am Beispiel von Goslar und Wildemann

Micro-Studie im Rahmen von FairBleib Südniedersachsen-Harz

Der Landkreis Goslar gehört aus demographischer Sicht zu einer der schwierigsten Regionen in Deutschland und so wird der Zuzug von geflüchteten Menschen von offizieller Seite durchaus begrüßt, und sie mit ihren möglichen Potenzialen durchaus als Gewinn gesehen.

Wie ist es aber wirklich? Über darüber verlässliche Informationen zu bekommen, wurden mehrere Interview-Leitfragen entwickelt, die auf die Veränderungen in der Region, dieBedingungen für die Integration und die Vorteile für die Region abzielen sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Rolle von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit und –integration erfassten.

Als Beispiele für diese Micro-Studie boten sich die Stadt Goslar mit ihrer bereits vorhandenen oder sich weiter entwickelnden „Unterstützungsinfrastruktur“ sowie die Freie Bergstatt Wildemann an, die exemplarischen dafür steht, dass Flüchtlinge, wenn sie im Harz bleiben möchten, gern gesehene zukünftige Mitbürger und Mitbürgerinnen sind.

Wappen des Landkreises Goslar
Der Landkreis Goslar (Link zu Wikipedia)

Als Interviewpartner stellten sich Engagierte aus dem seit über 30 Jahren in der Flüchtlingsarbeit agierenden Verein „Leben in der Fremde“ zur Verfügung sowie Ehrenamtliche und Bürgermeister aus der Freien Bergstatt Wildemann und der Pressesprecher des Landkreises Goslar zur Verfügung.

Ergebnisse der vergleichenden Analyse

Die vergleichende Analyse der etwa 90-minütigen Interviews ergab folgendes Fazit: Alle Interviewten waren sich darüber einig, dass die Flüchtlingsarbeit im Landkreis Goslar sich im Grunde unproblematisch gestaltet. Schwierigkeiten entstehen allerdings durch mangelnde sprachliche Verständigung sowie durch datenschutzrechtlichen Bestimmungen zur Weitergabe von Informationen über die Flüchtlinge. Zielführende Unterstützung wird dadurch oft schwierig.

Der Zuzug insbesondere junger Flüchtlinge in die Region wird als Potenzial gesehen, der Alterung der Bevölkerung entgegen zu wirken – vorausgesetzt sie wollen bleiben und finden dafür entsprechende Bedingungen.

Insgesamt steht die Bevölkerung dem Zuzug positiv gegenüber. Es bestehen eine offene Einstellung und ein freundlicher Umgang mit Geflüchteten. Ressentiments gibt es bei einer kleiner Gruppe, meist älterer Menschen, die grundsätzlich wenig soziale Kontakte haben.

Diskrepanzen in den Auffassungen zur Flüchtlingsarbeit und –integration wurden allerdings auch deutlich. Diese bezogen sich in erster Linie auf unterschiedliche Bewertungen der Netzwerkarbeit im Landkreis und es wurde deutlich, dass der Blick der Verwaltungsinstanzen ein anderer ist, als derjenige der Ehrenamtlichen, die den „Alltag“ im Landkreis mit den Flüchtlingen leben und gestalten und feststellen, dass sich strukturelle Bedingungen als Hürden erweisen.

Für alle Interviewpartner sind Arbeit und Bildung die wichtigsten Bedingungen für eine langfristige Eingliederung der Geflüchteten in die Gesellschaft. Hierzu müssen im Landkreis Goslar mehr Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen geschaffen werden. Ebenso wichtig ist der gute Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, der interkulturelle Austausch und der gute nachbarschaftliche Kontakt..

Einig waren sich alle Beteiligten in Folgendem: Nur wenn zugezogene Personen überzeugt werden können, ihren Lebensmittelpunkt in der Region zu wählen, kann der Landkreis nachhaltig von der Zuwanderung der Flüchtlinge profitieren.

VHS-Ifak-Modellprojekt „Fachkraft für Interkulturelle Soziale Arbeit“

Start des Modellprojektes „Fachkraft für Interkulturelle soziale Arbeit“ an der VHS Göttingen Osterode

Ab Oktober bietet die VHS in Kooperation mit dem Institut für angewandte Kulturforschung (Ifak) eine Weiterbildung an, in der sich Geflüchtete zur „Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit“ qualifizieren können.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation besteht in Wohnunterkünften, Beratungs-und Betreuungseinrichtungen sowie Nachbarschafts- und Familienzentren eine Nachfrage nach Fachkräften für die Integrationsarbeit. Neu an dem geforderten Anforderungsprofil ist dabei die Verknüpfung von sozialer und interkultureller Kompetenz“, so die Einschätzung von Angelika Böttcher, stellvertretende Fachbereichsleiterin an der VHS.

Diesen Bedarf greifen VHS und Ifak mit dem Modellprojekt „Fachkraft für Interkulturelle soziale Arbeit (InsA)“ auf, das Geflüchtete anspricht und ihnen eine berufliche Perspektive in diesem Berufsfeld eröffnet.

Über einen Zeitraum von 12 Monaten werden fachliche Inhalte der interkulturellen sozialen Arbeit im Wechsel mit berufsbezogenen Deutschkenntnissen vermittelt. Die beruflichen und sozialen Kompetenzen, die die Geflüchteten aus dem Heimatland mitgebracht haben, bilden dabei die Basis. In einem anschließenden dreimonatigen Praktikum können sich die Teilnehmenden dann ganz praktisch auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Nach erfolgreichem Abschluss der Qualifizierung erhalten sie ein aussagekräftiges IHK-Zertifikat „Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit“.

„Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Anschluss an das Projekt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung einmünden“, so Projektleiterin Jutta Deitermann.

Den Bedarf an Fachkräften, die eigene Erfahrungen in die Arbeit mit Geflüchteten einbringen können, haben lokale Einrichtungen deutlich bestätigt und sowohl Praktikums-als auch spätere Arbeitsplätze in Aussicht gestellt.

Fachkraft InsA wird vor Ort begleitet durch die BIGS, den Integrationsrat Göttingen und das Netzwerk Migration. Das Projekt wird aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert.

Die Qualifizierung wendet sich an Asylsuchende mit Bleibeperspektive und Geduldete sowie an anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte. Voraussetzung ist ein Leistungsbezug nach Asylbewerberleistungsgesetz (Agentur für Arbeit) oder nach der Anerkennung ein Leistungsbezug nach SGB II (Jobcenter). Die Teilnehmenden sollten einen Integrationskurs abgeschlossen bzw. das Sprachniveau B1 erreicht haben. Starttermin ist der 4.10.2016. Interessierte, die über ein gutes B1 Sprachniveau verfügen, können noch bis Anfang November einsteigen.

 

Kontakt

VHS Göttingen Osterode gGmbH
Jutta Deitermann
Tel. 0551 4952-43
deitermann@vhs-goettingen.de