Archiv der Kategorie: Projekt

FACHTAG Bildungsberatung (Transferagentur Niedersachsen)

„Eine Orientierung für gelingende Bildungsbiografien“ am 17.05.2018 in Ritterhude: die Bildungsberatung der BIGS wurde als gutes Beispiel der trägerneutraleren Orientierungsberatung in Südniedersachsen vorgestellt.

Bildungsbiografien sind heutzutage vielfältig und nicht mehr linear im Verlauf wie früher. Immer stärker stehen die Menschen in der Verantwortung, ihren Werdegang selbst zu gestalten. Andererseits ist die (Weiter)Bildungs- und Beratungslandschaft komplizierter und unübersichtlicher geworden. In dieser Situation fällt die Orientierung oftmals schwer. Um das Thema „Orientierungshilfe für gelingende Bildungsbiografien“ zu diskutieren, kamen am 17.05.2018 Fachkräfte aus Kommunalverwaltungen, Bildungseinrichtungen- und Organisationen zum Fachtag in Ritterhude zusammen. Die Teilnehmenden der Veranstaltung gingen die Frage nach, wie Bildungsberatung für die Gestaltung der individuellen Bildungs- und Berufsbiografien Wege weisen kann und wird dafür zuständig sein.

Fachliche Impulse für den gelungenen Diskussionstag kamen vom Prof. Dr. Clinton Enoch (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit). Am Podiumsgespräch nahmen drei Gäste teil. Marco Schmidt von der Transferagentur Niedersachsen betonte, wie wichtig es sei, die Transparenz über Anbieter und Angebote in den Kommunen zu schaffen, ebenso wie regelmäßiger Austausch und Vernetzung aller regionalen Akteure. Christine Etz von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) und Koordinatorin des Bildungsberatung Netzwerkes Niedersachsen berichtete über die Genese, Entwicklung und aktueller Stand des Landesnetzwerkes. Natalia Hefele von der BIGS eG stellte die Bildungsberatungsstelle der BIGS vor, erzählte über die praktischen Erfahrungen des Beratungsalltags, über die Netzwerkarbeit in der Region Südniedersachsen und über die Hürden und Schwierigkeit der fast zehnjährigen Beratungspraxis (darüber wurde im NL 1 dieses Jahres berichtet). Mit dem Appell an die Kommunen, die existierende und gut funktionierende Bildungsberatungsstelle in ihrer Bildungsplanung zu berücksichtigen: „Die Bildungsberatungsstellen des Landesnetzwerkes ist ein Schatz an Informationen über Ratsuchende und deren Bedarfe, der noch von vielen Kommunen gehoben werden sollte“.

Weitere Aspekte der praktischen Umsetzung der Bildungsberatung in Niedersachsen wurden in den vier Fachforen diskutiert.

Nähere Informationen können Sie der Dokumentation der Transferagentur Niedersachsen entnehmen.

Bildungsberatung und Kompetenzfeststellung in den MWK-Kursen

Bildungsberatung und Kompetenzfeststellung im Rahmen des Projektes „Förderung von Maßnahmen zum Spracherwerb (Deutsch) von Geflüchteten“ (SEG)

Konstanz, Kooperation, Weitblick und Professionalität. Das sind die Bestandteile einer nachhaltigen Integrationsarbeit. So zeigt es die Bildungsberatung und Kompetenzfeststellung der BIGS in den MWK-Kursen, die seit 2016 von Natalia Hefele und Christine Müller durchgeführt werden.

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat im Jahr 2015 ein Förderprogramm erarbeitet, um zusätzliche Sprachkurse und Sprachunterstützung von Geflüchteten schnell und unbürokratisch anzubieten. Die Sprachvermittlung sollte durch die Einrichtungen der Erwachsenenbildung erfolgen.

Im Jahr 2016 wurde das Förderprogramm fortgesetzt und ausgeweitet. Die in der Region ansässige Träger der Erwachsenenbildung setzten die sog. MWK-Kurse um, koordinierende Aufgaben übernahm die VHS Göttingen-Osterode (ab 2017 in der Stadt Göttingen – die BfGö). Die BIGS- Beratungsstelle wurde von NEBG-Träger (NEBG – Niedersächsisches Erwachsenenbildungsgesetz) beauftragt, Bildungsberatung in den Kursen anzubieten. Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 hat die BIGS die Bildungsberatung umgesetzt. Es fanden Infoveranstaltungen im Rahmen der Kurse mit ggf. verabredeten Einzelterminen (Einzelberatung) statt. Angesprochene Themen waren Sprache, Arbeit, Bildung, Beratung und Gesellschaft mit Hinweisen auf weitere thematische Beratungsangebote und Beratungsstellen. Ein Schaubild „Erste Schritte“ mit den Adressen der Beratungsstellen in der Region wurde in den Kursen verteilt. Die Infoveranstaltungen haben u.a. mit (Kultur-) Dolmetschern stattgefunden.

 In der nächsten Förderrunde im Jahr 2017 hat die BIGS die Bildungsberatung in den MWK- Kursen fortgesetzt und in der zweiten Jahreshälfte zudem für einige Träger die Kompetenzfeststellung mit den Teilnehmenden übernommen. Das Informationspapier „Erste Schritte“ aus dem Jahr 2016 wurde überarbeitet und weiterentwickelt. Dieses Papier soll den Teilnehmenden helfen, sich eigenständig an für sie relevante Stellen wenden zu können. Mit Hilfe dieser „Ersten Schritte“ bekamen die Teilnehmenden einen Überblick über die lokalen Strukturen und Akteure. Hierzu zählen unterstützende Einrichtungen, die in den Bereichen Aufenthalts- und Arbeitsrecht, soziale Fragen wie Kinderbetreuung, Wohnungssuche, SGB II etc. professionelle Hilfe anbieten. Ebenso gehören die öffentlichen Institutionen dazu, an die sich die Teilnehmenden im weiteren Verlauf ihrer beruflichen Integration wenden können, wenn es beispielsweise um eine Erlaubnis für ein Praktikum geht oder um die Kostenübernahme von Zeugnisübersetzungen oder berufliche Qualifizierungsmaßnahmen.

Im Anschluss an die Gruppenveranstaltungen hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Einzelgespräche zu vereinbaren, um weitere Schritte zu planen. In diesen Gesprächen ging es zunächst darum, dass die Teilnehmenden über ihren bisherigen Werdegang, ihre aktuelle Situation bis hin zu ihren Vorstellungen über ihr weiteres Leben in Deutschland und ihre Wünsche an die Zukunft sprechen konnten.

Im nächsten Schritt wurde über Möglichkeiten gesprochen, ob und wie individuelle Vorstellungen und Wünsche realisiert werden können und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind. In diesem Zusammenhang wurden auch die Kompetenzen der Teilnehmenden erfasst. Weitere Kompetenzen im informellen und non-formalen Bereich wurden im Gespräch ermittelt. Auf Grundlage des gesamten Beratungsergebnisses sowie der Ausbildungs- oder Berufswünschen der Teilnehmenden wurden Bildungswege geplant und die dafür notwendigen nächsten Schritte vorbereitet.

In jedem Fall diente die Beratung zur Stärkung des Selbstbewusstseins und der Ressourcenaktivierung bei den Teilnehmenden, da sie nicht als „Defizitprüfungen“ durchgeführt wurden, sondern den Fokus auf die Stärken, Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der jeweiligen Person legten.

Die Vorbereitung auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes konnten in den Beratungen dagegen nur in der Theorie angesprochen werden, da hierfür in der Regel Praktika oder Qualifizierungsmaßnahmen notwendig sind.  Ausgehend von ihren Qualifikationen wurden realisierbare Schritte geplant, wie sie ihre bisherige Qualifikation erweitern und/oder anpassen können, um in eine Erwerbstätigkeit zu gelangen. Eine möglichst nahtlose Anknüpfung der aufeinanderfolgenden Schritte von den ersten Sprachkursen über den Erwerb oder Ausbau beruflicher Qualifikationen bis hin zum Einstieg in eine berufliche Tätigkeit war mit dieser Struktur gewährleistet.

Die Durchführung der Kompetenzfeststellung in den MWK–Kursen hat die Erkenntnisse aus der mehrjährigen Beratungs– und Projekttätigkeit der BIGS bestätigt:

  • Unerlässlich für die erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt ist die stetige Begleitung von Teilnehmenden durch Beratende.
  • Die unterschiedlichen Stellen, an denen Beratung stattfindet, müssen nicht nur gut miteinander vernetzt sein, sondern auch eng zusammenarbeiten und sich nicht konkurrierend gegenseitig behindern, um die Teilnehmenden sinnvoll unterstützen und begleiten zu können.
  • Zudem ist für die erfolgreiche Umsetzung der beruflichen Vorhaben die zügige Beseitigung weiterer Hindernisse aus den Bereichen Arbeits- und Aufenthaltsrecht, Wohnsituation und Kinderbetreuung notwendig, da sonst alle Bemühungen der Teilnehmenden hinfällig werden.
  • Dafür braucht es in jedem Fall professionelle Unterstützung, da die Teilnehmenden damit allein überfordert sind.

Natalia Hefele
Christine Müller

Demokratie kann man lernen!

Dritte Demokratiekonferenz im Landkreis Göttingen

Unter der Überschrift „Demokratie lernen?!“ haben sich Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Verwaltung, aus der Jugendarbeit und der Zivilgesellschaft getroffen und über die Vermittlung demokratischer Werte diskutiert. Es war die 3. Demokratiekonferenz im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie für den Bereich des Altkreises Göttingen. Sie fand am vergangenen Freitag, 07.12.2017, in den Räumen der Volkshochschule in Göttingen statt.

Kreisrat Marcel Riethig begrüßte die rund 70 Anwesenden im Namen des Landkreises: „Schule, Jugendarbeit und pädagogische Einrichtungen tragen dazu bei, die Werte und Fähigkeiten zu vermitteln, die wir für ein demokratisches Miteinander brauchen. Demokratie darf sich dabei nicht in Formalien erschöpfen. Der friedliche Umgang miteinander im Alltag ist Fundament einer funktionierenden Demokratie. Das Erlernen dieses friedlichen Miteinanders zu ermöglichen, ist eine dauerhafte, nie endende Aufgabe unserer Gesellschaft.“ Kreisverwaltung und Kreistag hätten bereits 2015 eine Stelle zur Förderung von Vielfalt, Demokratie und Toleranz geschaffen, um ein tolerantes Zusammenleben zu fördern. Die Vermittlung und Förderung demokratischer Werte bleibe auch für die kommenden Jahre eine der Prioritäten des Landkreises.

„Demokratie darf sich nicht in Formalien erschöpfen“: Kreisrat Marcel Riethig begrüßt die Teilnehmenden der 3. Demokratiekonferenz und erklärt, das Erlernen eines friedlichen Miteinanders sei eine dauerhafte Aufgabe der Gesellschaft. (Foto: Landkreis Göttingen)

Prof. Hermann Veith vom Pädagogischen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen stellte in seinem Inputreferat die Verantwortung der Schulen zur Demokratiebildung in den Mittelpunkt. Im Unterschied zur politischen Bildung gehe es weniger um reine Wissensvermittlung – beispielsweise über das politische System der Bundesrepublik.

„Demokratiebildung“: Prof. Hermann Veith von der Universität Göttingen stellt das pädagogische Konzept in seinem Inputreferat dar. (Foto: Landkreis Göttingen)

Vielmehr stehe die Vermittlung jener Kompetenzen und Einstellungen im Vordergrund, die für die Teilhabe an einer demokratisch verfassten Gesellschaft erforderlich sind. Hierzu müsste die demokratische Teilhabe der Schülerinnen und Schüler bereits in den Schulalltag integriert werden – ohne den Unterschied in Rolle und Verantwortlichkeit zwischen Lehrkräften und Schüler_innen auszublenden.

In der anschließenden Workshop-Phase konnten sich die Teilnehmenden zu verschiedenen Aspekten der Demokratiepädagogik informieren und ins Gespräch kommen. Für das Niedersächsische Kultusministerium stellte Dr. Jochen Walter eine aktuelle Handreichung zum Umgang mit möglichen salafistischen Radikalisierungsprozessen in Schulen vor. Aus der Landeszentrale für Politische Bildung berichtete Daniela Kallinich über den Einsatz neuer Medien in der politischen Bildung. Bernd Lüdke von der Deutschen Angestelltenakademie stellte mit Betzavta ein aus Israel stammendes Programm der Demokratie- und Menschenrechtserziehung vor.

Demokratieerziehung: Bernd Lüdke von der Deutschen Angestelltenakademie präsentiert Betzavta, ein aus Israel stammendes Programm zur Demokratie- und Menschenrechtserziehung.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 3. Demokratiekonferenz zogen nach der Veranstaltung eine durchweg positive Bilanz. Sie lobten die Fachbeiträge und die Möglichkeit zum Austausch. Einhellig wurde eine Fortsetzung der Reihe der Demokratiekonferenzen vorgeschlagen, um den Akteuren der Jugendarbeit weiter eine Möglichkeit für Kontakte und Erfahrungsaustausch zu geben. Inhaltlich soll u. a. das Thema Erwachsenenbildung aufgegriffen werden.

Hintergrund:

Die Demokratiekonferenz ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sie soll einerseits gezielte thematische Impulse in Verwaltung und Zivilgesellschaft geben und andererseits relevante Akteure auf dem Feld der Demokratieförderung miteinander in Kontakt bringen. Im vergangenen Jahr 2016 fand die Demokratiekonferenz unter dem Titel „Wie hältst du’s mit der Religion?“ zum Thema Islamfeindlichkeit und Islamismus im Geschwister-Scholl-Haus in Hann. Münden statt.

Die Partnerschaft für Demokratie (PfD) im Landkreis Göttingen ist eine von bundesweit 233 „Partnerschaften für Demokratie“ im Bundesprogramm „Demokratie leben! – Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Sie wird finanziert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Koordinierungs- und Fachstelle in Trägerschaft der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) koordiniert die Partnerschaft gemeinsam mit der Stelle zur Förderung von Vielfalt, Demokratie und Toleranz des Landkreises Göttingen.

Eine wesentliche Aufgabe der Partnerschaft ist die Förderung demokratischen Engagements durch Unterstützung von Projekten aus einem „Aktions- und Initiativfonds“. Hierfür stehen im kommenden Jahr 2018 voraussichtlich 48.000 Euro zur Verfügung – rund doppelt so viel wie im Jahr 2017.

Informationen und Kontakt für Interessierte:

Ansprechpartner in der Kreisverwaltung Jonas Huwald, Telefon 0551 525-9164, E-Mail huwald@landkreisgoettingen.de

Externe Koordinierungs- und Fachstelle Mathis Weselmann, E-Mail m.weselmann@pfd-goettingen.de

Informationen zum Bundesprogramm Demokratie leben!: www.demokratie-leben.de