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PM: Innenministerium streicht erfolgreiches Integrationsmodell

Göttingen, 24. November 2011

Pressemeldung

 

Erfolgreiches Integrationsprojekt in Friedland soll beendet werden

Geburtstagsfest gerät zur Abschiedsfeier

Die Feier zum fünfjährigen Bestehen der Integrationskurse für Spätaussiedler im Grenzdurchgangslager Friedland am vergangenen Mittwoch wurde ein Abschied. Anfang November hatte das niedersächsische Innenministerium den betroffenen Trägern die Einstellung des Projekts zum Jahresende angekündigt. Der Vorstand der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen e.G. zeigte sich tief enttäuscht über die Entscheidung: „Nachdem Minister Schünemann zugesagt hatte, die Arbeit mit Spätaussiedlern in Friedland zu erhalten, haben wir dieses abrupte Aus nicht erwartet.“ Noch im August 2010 hatte der Minister neben der Arbeit mit Asylsuchenden die Integration von Spätaussiedlern als bleibende Aufgabe des Grenzdurchgangslagers Friedland genannt. „Wir fragen uns allerdings, wie sich Herr Schünemann Integration ohne Sprachkurse und Bildungsangebote vorstellt“, kommentierte der Vorstandssprecher Bernd Schütze.

Dass die Beendigung des Programms durch sinkende Neuzuwandererzahlen erzwungen worden sei, mochte Schütze so nicht stehen lassen: „Es mangelte schlicht am politischen Willen, die überaus erfolgreichen Integrationskurse weiterzuführen.“ Verhandlungen mit den anderen Bundesländern über die Einbeziehung ihrer Aussiedlerkontingente in das Programm waren zuvor gescheitert. Ansgar Jendraszek, Regionalkoordinator beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, sprach von einer „vertanen Chance“ und kritisierte den Umgang des niedersächsischen Innenministeriums mit den Projektträgern.

Die Bildungsgenossenschaft hofft jetzt darauf, nach dem Vorbild der Integrationskurse in Zukunft Orientierungshilfe für die in Friedland untergebrachten Asylsuchenden und verbliebenen Spätaussiedler anbieten zu können. Das Innenministerium, so Schütze, müsse erkennen, dass das Geld in einem solchen Projekt gut angelegt ist: „Wer in Deutschland ankommt, braucht möglichst schnell einen Sprachkurs und eine Orientierungsberatung, damit er sich zurechtfindet. Nicht zuletzt hängen an dem Projekt 20 hoch qualifizierte Arbeitsplätze.“

Friedland ist als bundesweit einzige Einrichtung ihrer Art Anlaufstelle für Spätaussiedler in die Bundesrepublik. Seit 2006 haben hier acht Kursträger aus der Region unter der Koordination der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen e.G. insgesamt 147 Integrations- und Alphabetisierungskurse für Kontingentflüchtlinge und Zuwanderer durchgeführt. Neben Sprachkursen war die individuelle Orientierungs- und Anerkennungsberatung ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit.

Die Bildungsgenossenschaft Südniedersachen e.G. ist ein Zusammenschluss von 29 Bildungsträgern aus der Region Südniedersachen. Durch ihr Netzwerk können die Genossen gemeinsam größere Projekte realisieren. Schwerpunkt der Arbeit ist seit Jahren neben der Allgemeinen und Beruflichen Bildung die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten.

Kontakt: Holger Martens, Geschäftsstellenleiter der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen e.G., Tel.: 0551/4886413, h.martens@bigs-goe.de