17. August 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit den Sonnenstrahlen, die sich in Göttingen ausbreiten, erhalten Sie den ersten Newsletter der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG in diesem Jahr.

In den vergangenen Monaten gab es einige personelle Umstrukturierungen bei der BIGS und so erhalten Sie das erste Mal den Newsletter von mir, Philipp Kallenbach. Weitere Informationen zu meiner Person und meiner Tätigkeit im Projekt "Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen" sowie zu unserem neuen Mitarbeiter Civar Akad erfahren Sie in diesem Newsletter.

Das Jahr beginnt zumeist mit einem Blick auf das Vorjahr. Das hat Natalia Hefele für die Bildungsberatung auch getan und sie berichtet über die steigende Nachfrage zu dem Beratungsangebot.

Die VHS Göttingen Osterode stellt das erfolgreich durchgeführte ESF-Modellprojekt "Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit" vor und das BNW präsentiert die Arbeitgeberinitiative Teilqualifizierung (AGI TQ).

Neben neuen Angeboten, wie der Internetpräsenz fairbleib.org für das Projekt "FairBleib Südniedersachsen-Harz", gibt es auch von der Auflösung des Netzwerks "Lernende Region Südniedersachsen" zu berichten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen des Newsletters.

Mit freundlichen Grüßen
Philipp Kallenbach

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Geflüchtete qualifizieren sich erfolgreich zur „Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit“

 

Rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung folgten der Einladung zum Abschluss des ESF-Modelprojekts „Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit“, das vom Land Niedersachsen finanziert wurde. Gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern dem Institut für angewandte Kulturforschung (ifak), der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsachen eG (BIGS) und dem Integrationsrat der Stadt Göttingen hat die VHS Göttingen Osterode am 15.03.2018 in ihre Räumlichkeiten eingeladen.

Das von den Kooperationspartnern gemeinsam entwickelte und durchgeführte Projekt „Fachkraft InsA“ diente der fachlichen Qualifizierung von 15 geflüchteten Frauen und Männern im Bereich der interkulturellen sozialen Arbeit, die mit der bestandenen Abschlussprüfung ihr Zertifikat entgegennehmen konnten. „Besonders in den sozialen Arbeitsfeldern mit Geflüchteten ist in den letzten Jahren ein wichtiges Berufsfeld entstanden, für das natürlich besonders Geflüchtete selbst wichtige Kompetenzen mitbringen“, betonte Jutta Deitermann, Projektleiterin. „Darüber hinaus haben viele unserer Teilnehmenden schon in ihrem Heimatland in sozialen Berufen gearbeitet und wir konnten diese Qualifikationen um wichtige Grundlagen der sozialen Arbeit in Deutschland ergänzen“, erklärte Deitermann in ihrer Projektvorstellung weiter. Trotz der Erfahrungen, dass viele Berufsabschlüsse, die die Geflüchteten in ihren Heimatländern erworben haben, in Deutschland nicht anerkannt werden, ist es dem Projekt erfolgreich gelungen, Teilnehmende in den ersten Arbeitsmarkt im sozialen Bereich zu vermitteln.

Vorab wurde die Abschlussveranstaltung mit einem Fachvortrag von Dr. Anwar Hadeed von der Arbeitsgemeinschaft MigrantInnen und Flüchtlinge in Niedersachsen eröffnet. Dieser beschäftigt sich seit 2004 mit der Fragestellung, wie sich Zugangswege für Geflüchtete in das soziale Berufsfeld gestalten, Barrieren erkannt und abgebaut werden und eine Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt gelingen kann.

Die anschließende Talkrunde mit Arbeitgeber, Vertreterinnen der niedersächsischen Landesschulbehörde, des IQ-Netzwerkes sowie des Projektes FairBleib Südniedersachsen-Harz verdeutlichten noch einmal das große Spannungsfeld zwischen den mitgebrachten Berufsabschlüssen, geforderten Qualitätsstandards in sozialen Arbeitsfeldern in Deutschland und dem hohen Fachkräftebedarf.

 „Arbeitgeber, die die Absolventen unserer Qualifizierung eingestellt haben, haben uns bestätigt, dass sie gerade auch durch die interkulturellen und die sprachlichen Kompetenzen, die die Geflüchteten mitbringen, sehr profitieren. Diese Erfahrungen machen Mut, Projekte mit ähnlicher Zielsetzung fortzuführen, das Folgeprojekt „Fachfrau InsA“ ist erfolgreich gestartet“, so Deitermann.

Beim anschließenden Get-Together hatten die Gäste die Möglichkeit mit den Teilnehmenden des Projekts ins Gespräch zu kommen.

Das Modellprojekt „Fachkraft InsA“ wird über die ESF-Richtlinie „Qualifizierung und Arbeit“ aus Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert.

 

Die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen des Projekts „Fachkraft für interkulturelle soziale Arbeit“ mit der Projektleiterin Jutta Deitermann (hinten rechts).

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Neuer Mitarbeiter in der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

als neuer Mitarbeiter der BIGS möchte ich mich bei Ihnen vorstellen. Mein Name ist Civar Akad und seit März 2018 arbeite ich bei der BIGS im Projekt „Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung“ (IQ Netzwerk Niedersachsen). Neben den Beratungen in Göttingen bin ich für den Standort Goslar zuständig. Diese neue Herausforderung macht mir viel Spaß.

Erste Erfahrungen im Bereich Migration habe ich bereits während meines Studiums als Sprachmittler im Grenzdurchgangslager Friedland gesammelt. Aber auch durch meinen persönlichen Hintergrund ist mir das Thema Migration nahe, da ich selbst aus einer Familie stamme, die vor 16 Jahren in Deutschland aus politischen Gründen Asyl beantragt hat.

Mein Studium im Bereich Politikwissenschaften habe ich vor kurzem abgeschlossen. Das Thema Fachkräftemangel hat mich währenddessen sehr interessiert, sodass ich meine Bachelorarbeit über das Thema „Die Aufnahme von Flüchtlingen als Lösung des Problems ‚Fachkräftemangel‘“ geschrieben habe. Ich bin der Meinung, dass man dieses Thema bei der Bildungsgenossenschaft wunderbar umsetzen kann. Deshalb freue ich mich, die Ratsuchenden im Anerkennungsverfahren und im Rahmen der Qualifizierung zu unterstützen.

Auf eine gute Zusammenarbeit!

Viele Grüße

Civar Akad

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Wechsel in der "Partnerschaft für Demokratie"

Auch in der Koordinierungs- und Fachstelle der „Partnerschaft für Demokratie“ hat ein personeller Wechsel stattgefunden. Im April 2018 hat Philipp Kallenbach, der bereits seit 2016 bei der BIGS arbeitet, das Projekt übernommen. Darüber hinaus ist er für die Öffentlichkeitsarbeit der Bildungsgenossenschaft zuständig.

Die „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen" unterstützt gesellschaftliches Engagement für ein demokratisches und tolerantes Zusammenleben. Durch den Aktions- und Initiativfonds können Projekte und Initiativen unterstützt werden, in denen gegen Intoleranz und Menschenfeindlichkeit gearbeitet wird und die eine demokratische Kultur im ländlichen Raum fördern. Dafür stehen in diesem Jahr noch Gelder zur Verfügung, sodass interessierte Personen eingeladen sind, sich mit Projektideen an Philipp Kallenbach zu wenden. Neben einer finanziellen Unterstützung vielfältiger Angebote wird im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ alljährlich eine Demokratiekonferenz organisiert, über die Sie in unserem Newsletter informiert werden.

Weitere Informationen zur „Partnerschaft für Demokratie“ erhalten Sie auf der Internetseite: www.pfd-goettingen.de.

- Philipp Kallenbach -

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Bildungsberatung Südniedersachsen im Jahr 2017

Deutlicher Zuwachs der Beratungen

Im Jahr 2017 wurden in der Beratungsstelle BIGS insgesamt 515 Beratungen durchgeführt, darunter 401 Orientierungs-/Bildungsberatungen, 15 KMU- und Organisationsberatungen und 99 Bildungsprämienberatungen. In der vorgelegten Statistik sind telefonische und elektronische Anfragen, die zum Teil zeitaufwendige Antworten benötigen, nach wie vor nicht berücksichtigt worden. Seit Mai 2017 bietet die Bildungsberatung Südniedersachsen eG im Rahmen des Beratungsnetzwerkes „Bildungsberatung Niedersachsen“ Online-Beratungen an (Email- und Chatberatungen).

Die Zunahme der Prämienberatung ist auf die veränderten Fördervoraussetzungen in der zweiten Jahreshälfte zurückzuführen.

Personenbezogene Analyse der Erstberatungen

Die Ratsuchenden kamen zu 60% aus der Stadt Göttingen. Die Anzahl der Ratsuchenden aus den Landkreisen Northeim und Goslar hat gegenüber 2016 zugenommen, während sie aus dem Landkreis Göttingen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging.

Betrachtet man die Beratungsfälle nach dem Geschlecht, zeigt sich, dass Männer mit einer Häufigkeit von 158 Fällen (58%) im Vergleich zu 115 Beratungskundinnen (42%) mehr als die Hälfte der durchgeführten Beratungen ausmachen. Die Anzahl der Männer, die die Orientierungsberatung aufgesucht haben, ist 2017 gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben.

Im Jahr 2017 gaben 90% der Beratungskundinnen und -kunden der Bildungsberatung Südniedersachen an, einen Migrationshintergrund zu haben bzw. nicht in Deutschland geboren zu sein. Als häufigste Herkunftsländer wurden Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea und der Kosovo angegeben.

Hinsichtlich der Altersgruppen sind die 25-44-Jährigen mit rund 54% aller beratenen Personen am stärksten vertreten, gefolgt von den Beratenen unter 25 Jahren (29%) und schließlich der Altersgruppe über 44 Jahren (17%). Bei der detaillierten Analyse der Beratenen nach Alter und Geschlecht fällt auf, dass die Altersgruppe der 19-34-jährigen Männer mit jeweils rund 40% den größten Anteil der Beratungskunden in Göttingen ausmacht. Es handelte sich hierbei im Jahr 2017 um geflüchtete junge Männer. Die Altersaufteilung der weiblichen Beratenen verteilt sich im Vergleich dazu gleichmäßiger über alle betrachteten Altersgruppen, wobei die Altersgruppen zwischen 25 und 49 Jahren aller beratenen Frauen den Schwerpunkt ausmachen. Für diese Altersgruppe in oder schon nach der Familienphase stellen sich viele Fragen rund um die berufliche Um- bzw. Neuorientierung im Zusammenhang mit einem beruflichen Wiedereinstieg bzw. parallel zur derzeitigen Beschäftigung.

Die Anzahl der Ratsuchenden ohne standardisierten Berufsabschluss (Äquivalent dem deutschen Abschluss) ist von 8% im Jahr 2016 auf 64% gestiegen. Dabei ist der Anteil von Ratsuchenden mit Hochschulabschluss zurückgegangen – von 72% zu 15%. Diese Zahl spiegelt die bundesweite Tendenz wieder, dass im Jahr 2015 und Anfang 2016 mehr Geflüchtete mit Hochschulqualifikation nach Deutschland kamen und die Beratungsstelle aufgesucht haben als im Jahr 2017. Doppelt so viele Ratsuchende ohne Schulabschluss wurden von der Bildungsberatung der BIGS beraten. Es ging vorerst um das Nachholen von Schulabschlüssen oder um die Jobsuche im niedrig qualifizierten bis unqualifizierten Bereich. Fast 30% aller Beratenen im Jahr 2017 hatten keine Berufserfahrungen vorzuweisen. Die letzten beiden Punkte betrafen vor allem Jugendliche/junge Erwachsenen und Frauen.

Bei den Beratungsanliegen dominiert das Thema berufliche (Neu-) Orientierung, gefolgt von Fragen zur beruflichen Fort- und Weiterbildung. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Bereiche der beruflichen Ausbildung, der Sprach-/Integrationskurse und des Studiums. Fragen zum beruflichen Wiedereinstieg, zu Schulabschlüssen allgemein bzw. zur Anerkennung eines im Ausland erworbenen Abschlusses, zur finanziellen Förderung von Weiterbildung oder auch private Weiterbildungen spielen in der Beratung der BIGS eine untergeordnete Rolle.

Im Jahr 2017 wurden 15 KMU-Beratungen durchgeführt. Die Anliegen der Unternehmen, die sich bei der BIGS beraten lassen, sind vielfältig und beziehen sich zu etwa gleichen Teilen auf Fragen rund um die Ausbildung, die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Schulabschlusses, die Suche nach einem passenden Sprach oder Integrationskurs oder Fragen rund um die berufliche (Neu-)Orientierung und finanzielle Förderung von Fort- und Weiterbildung.

 

Zielführende Arbeit der BIGS-Beratungsstelle

Die Installation der Bildungsberatung Südniedersachsen eG in etablierte Bildungs- und Beratungsnetzwerke, sowie die Bündelung verschiedener Beratungsangebote in der Geschäftsstelle der BIGS hat auch im Jahr 2017 weiterhin viele Vorteile erbracht:

• Ratsuchende wurden innerhalb der BIGS-Beratungsstelle z.B. an die KollegInnen der Anerkennungs- oder Spracherwerbberatung weiter vermittelt.

• Termine mit den Fachberatern der Bildungsträger oder anderer Beratungsstellen und Institutionen (u.a. Agentur für Arbeit, Jobcentren usw.) wurden direkt telefonisch oder elektronisch vereinbart. Diese Praxis ist mittlerweile zur Routine geworden.

• Die Ratsuchenden konnten Informationen zu Maßnahmen oder anderen Angeboten in der Region direkt erhalten, weil die BIGS i.d.R den gesamten Überblick hierzu bereitstellen kann.

 

- Natalia Hefele -

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Schritt für Schritt zum Berufsabschluss

Qualifizierung nach dem Bausteinprinzip: Mit Teilqualifizierungen bietet das BNW Arbeitsuchenden und Beschäftigten die Möglichkeit, sich fachlich weiterzubilden.

Innerhalb der ARBEITGEBERINITIATIVE TEILQUALIFIZIERUNG (AGI TQ) kooperieren deutsche Arbeitgeberverbände und Bildungswerke der deutschen Wirtschaft miteinander, um einen bundesweit einheitlichen Standard bei der Teilqualifizierung zu gewährleisten. Ein einheitliches Gütesiegel garantiert so Teilnehmern und Unternehmen, dass alle Teilqualifizierungen (TQ) bundesweit nach einem gemeinsamen Konzept entwickelt und mit kompatiblen und einheitlichen Standards umgesetzt werden. Das Gütesigel der AGI TQ ist inzwischen deutschlandweit etabliert.

Speziell an Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund richtet sich das BNW mit seinen TQplus-Angeboten, die zusätzlich berufsbezogene Sprachförderung und Integrationsförderung beinhalten.

Das TQ-Konzept greift ebenfalls neuartige Lernmethoden wie das Blended-Learning innerhalb von TQdigital auf. Dabei werden die theoretischen Lerninhalte über das Internet von Online-Dozenten an die Teilnehmenden vermittelt. Ergänzt wird TQdigital durch eigenständig zu bearbeitende E-Learning Module. Bislang werden die beiden Berufsfelder Fachlagerist und Kauffrau/-mann für Büromanagement innerhalb von TQdigital angeboten. Das Angebot wird laufend erweitert.

Für diese Berufe liegen Teilqualifizierungen der AGI TQ vor
und werden vom BNW durchgeführt:

• Fachkraft im Gastgewerbe

• Fachlagerist/in

• Verkäufer/in

• Kaufmann/-frau im Einzelhandel

• Fachkraft Schutz und Sicherheit

• Maschinen- und Anlagenführer

• Kaufmann/-frau für Büromanagement

Das Angebot des BNW im Bereich Teilqualifizierung wird Stück für Stück erweitert.

Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) ist ein Bildungsunternehmen mit Schwerpunkten in den Handlungsfeldern Übergang Schule – Beruf, berufliche Qualifizierung und Integration, berufliche Rehabilitation sowie Weiterbildung von Nachwuchs-, Fach- und Führungskräften.

Seit fast 50 Jahren ist das BNW Ihr Partner für Lern- und Entwicklungsprozesse. Jedes Jahr begleiten wir über 57.000 Menschen dabei, ihre beruflichen Chancen zu erkennen und ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Mit über 1.200 Mitarbeitern an 57 Standorten steht das BNW für Verlässlichkeit und agiert ebenso vorausschauend wie schnell und flexibel.

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Auflösung des Netzwerkes „Lernende Region Südniedersachsen“

Die Gremien der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) haben 2017 beschlossen, das seit 2001 bestehende Netzwerk „Lernende Region Südniedersachsen“ aufzulösen. Aus dem Netzwerk „Lernende Region Südniedersachsen“ hatte sich Anfang 2002 die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG heraus entwickelt. Mittlerweile sind der überwiegende Teil der Netzwerkmitglieder Genossen in der BIGS. Eine Parallelstruktur Genossenschaft und Netzwerk wird aus diesem Grund für nicht mehr sinnvoll angesehen. Die BIGS bietet den verbliebenen Netzwerkmitgliedern an, auch Mitglied als Genosse in der BIGS zu werden, um weiterhin am Genossenschaftsnetzwerk partizipieren zu können.

- Dr. Holger Martens -