Veranstaltungsbericht „Welche Region passt zum Arbeitsmarkt?“

Pressemeldung vom 20. Juni 2012

 

Von stärkerer Kooperation profitieren letztlich alle

Zweiter Teil der Veranstaltungsreihe „Welche Region passt zum Arbeitsmarkt?“

 

Göttingen, 20. Juni 2012. Am vergangenen Montag, den 18. Juni, fand im Bürgerhaus Bovenden der zweite Teil der Veranstaltungsreihe „Welche Region passt zum Arbeitsmarkt?“ der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) statt. Gemeinsam mit Gästen aus Politik und Verwaltung diskutierte die BIGS über aktuelle Herausforderungen für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik in der Region Südniedersachsen. Thema war die Verknüpfung von regionaler Struktur- und Bildungspolitik unter dem Vorzeichen einer möglichen Fusion der drei südniedersächsischen Kreise.

In seinem Eingangsreferat erläuterte der Aufsichtsratsvorsitzende der Bildungsgenossenschaft, Dr. York Winkler, die bestehenden wirtschaftlichen und institutionellen Verflechtungen zwischen den Kreisen Göttingen, Northeim und Osterode. Bei der Bewältigung der anstehenden Probleme, besonders des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels, sei man in Südniedersachsen jedoch noch nicht optimal aufgestellt. EU-Fördermittel flössen zum Beispiel nur unterdurchschnittlich.

Aus Sicht der Göttinger Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Andretta, ist die aktuelle Fusionsdebatte auch eine Frage der regionalen Solidarität mit schwächeren Landkreisen. Für sie ist die Bildungsregion Südniedersachsen ein gutes Beispiel dafür, wie die gesamte Region von dem starken Bildungsstandort Göttingen lernen und profitieren kann. Der nächste Schritt müsse eine gemeinsame Bildungsplanung für ganz Südniedersachsen sein. Die Abgeordnete regte an, dass zum Beispiel die Frage der zukünftigen Standorte von Berufsbildenden Schulen nicht jeder Landkreis für sich lösen, sondern eine Gesamtlösung für die Region gefunden werden sollte. Insgesamt ginge es darum, das in der Region vorhandene Bildungspotential besser auszuschöpfen. Der schon jetzt in einzelnen Branchen spürbare Fachkräftemangel ließe sich nur in einer gemeinsamen Strategie bekämpfen.

Der Göttinger Landrat Bernhard Reuter betonte die Herausforderungen, die ein sich verschärfender Fachkräftemangel für die wirtschaftlichen Zentren darstellt. In Zukunft sei die Frage weniger, wohin die Menschen zur Arbeit pendeln, sondern woher die Arbeitskräfte für die Wirtschaft kommen. Reuter sieht in einer Fusion der drei südniedersächsischen Kreise ein geeignetes Mittel, um ihnen von Seiten der Politik besser begegnen zu können. Alle drei Kreise und auch die Stadt würden letztlich davon profitieren.

Harm Adam, Abgeordneter der CDU im Göttinger Kreistag, stimmt zu, dass eine verstärkte kreisübergreifende Kooperation und Strukturplanung auch wirtschaftlich geboten ist. Eine Kreisfusion sei jedoch nicht das geeignete Mittel. Vielmehr solle man beim Zuschnitt der Landkreise auch das lokale Identitätsgefühl berücksichtigen. Er warnte davor, das ‚Göttinger Modell’ einer ganzen Region überstülpen zu wollen. Regionale Kooperation könne auch ohne die zentrale Steuerung durch eine Regionsverwaltung bürgernäher, unbürokratischer und an einigen Stellen effektiver gestaltet werden.

Die Referatsleiterin des Göttinger Oberbürgermeisters, Claudia Leuner-Haverich, betonte, dass auch das Oberzentrum Göttingen sich eine starke Region Südniedersachsen wünscht. Für sie ist die Fusion eine Chance, jedoch nicht schon die Lösung aller Probleme. Grundsätzlich müssten regionale Entwicklungspotenziale besser genutzt und besonders die Bildungs- und Ausbildungspolitik verstärkt als Wirtschaftspolitik verstanden werden.

Bernd Schütze, Vorstandssprecher der Bildungsgenossenschaft und Moderator des Abends, griff diese Position in seinem Fazit auf. Die BIGS habe in den vergangenen zehn Jahren eine vernetzte Bildungspolitik immer auch als regionale Wirtschaftsförderung verstanden und Kooperationen jenseits ausgetretener Pfade angeschoben. Hierfür erhoffe man sich auch in Zukunft die Rückendeckung von Politik und Verwaltung.

Die Veranstaltung wurde getragen von den in der Bildungsgenossenschaft zusammengeschlossenen Bildungseinrichtungen und durch die Geschäftsstelle der BIGS vorbereitet. Die BIGS dankt insbesondere dem Flecken Bovenden, der das Bürgerhaus zur Verfügung stellte.

Der erste Teil der Veranstaltungsreihe hatte am 10. Mai im Mehrgenerationenhaus in Osterode stattgefunden und betrachtete vor allem die Situation des Landkreises Osterode am Harz. In Osterode – so wurde damals deutlich – ist man sich der Dynamik des Oberzentrums Göttingen bewusst und der Chancen, die eine engere Verbindung zu Göttingen dem Landkreis bietet. Es ist jedoch vor allem die Frage der Identität und kommunalen Selbstständigkeit, die viele Osteroder einer Fusion mit Göttingen kritisch gegenüber stehen lässt.

Die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG (BIGS) ist seit zehn Jahren als Bildungsberatungsstelle und Projektkoordinatorin in den Kreisen Göttingen, Northeim, Osterode und darüber hinaus aktiv. Ihr Ziel ist es, den Zugang zu Bildungsangeboten zu verbessern und durch Vernetzung der Bildungssysteme einen Beitrag zur Regionalentwicklung zu leisten. Als Genossenschaft ist die BIGS ein Zusammenschluss von 28 Bildungseinrichtungen aus allen drei Kreisen und kooperiert mit weiteren Einrichtungen im Rahmen fester Kooperationsverträge.

Kontakt: Mathis Weselmann, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0551 4886415, m.weselmann@www.bildungsgenossenschaft.de

Weitere Informationen zur BIGS: http://www.bildungsgenossenschaft.de

– zur redaktionellen Verwendung freigegeben –

Bildungsgenossenschaft schließt Außenstelle in Friedland

Pressemeldung der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG vom 19. Juni 2012

 

Bildungsgenossenschaft schließt Außenstelle in Friedland

Auslaufen der Integrationskurse beendet erfolgreiches Kooperationsmodell

 

Göttingen, 19. Juni 2012. Am kommenden Freitag, den 22. Juni 2012 schließt die Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen eG ihre Außenstelle im Grenzdurchgangslager Friedland. Schon am Mittwoch findet um 11:00 Uhr die Verabschiedung durch Vertreter des GDL und der dort arbeitenden Wohlfahrtsverbände statt. In den vergangenen Jahren hat die Außenstelle die Durchführung der Integrationskurse im GDL Friedland koordiniert. Da die Integrationskurse zum Ende des Jahres 2011 eingestellt wurden und die letzten Kurse im Juni ausliefen, gibt die BIGS ihre Präsenz in Friedland nun auf.

„Wir bedanken uns insbesondere beim Grenzdurchgangslager und den Wohlfahrtsverbänden für die langjährige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, so Dr. Natalia Hefele, Leiterin der Außenstelle. Sie sieht die letzten Jahren als einen großen Erfolg: „Durch die Zusammenarbeit von der Kursträger konnten wir Synergien erzielen, die vor allem den Kursteilnehmern zu Gute kamen. Das Modell Friedland wurde über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus beachtet.“

Die Integrationskurse in Friedland wurden gemeinsam von acht in Stadt und Landkreis Göttingen zugelassen Kursträgern durchgeführt. Die BIGS übernahm zentrale Aufgaben wie die Kurs- und Teilnehmerverwaltung, Lehrmittelbeschaffung und Lehrerfortbildung. Beteiligt waren unter der Koordination der BIGS folgende Träger:

  • Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Süd gGmbH
  • Evangelische Erwachsenenbildung Südniedersachsen
  • Internationaler Bund e.V.
  • Kreisvolkshochschule Göttingen
  • Ländliche Erwachsenenbildung in Nds. e.V.
  • Prager Schule Göttingen gGmbH
  • Volkshochschule Göttingen e.V.
  • Zukunftswerkstatt e.V.

Die Integrationskurse  werden aus Mitteln des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert und haben einen Umfang von 645 Stunden und dienen in erster Linie dazu, die deutsche Sprache zu lernen und eine Orientierung über das Leben in Deutschland zu bekommen. Seit Beginn des Programms im September 2006 fanden in Friedland insgesamt  147 Kurse mit ca. 2.500 Teilnehmern statt. Im Durchschnitt 92% der Teilnehmer aus den regulären Kursen konnten die Kurse mit einem Sprachzertifikat erfolgreich abschließen. Bei der Mehrheit handelte es sich um Spätaussiedler und deren Familienangehörigen und jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Nicht zuletzt ihre geringere Zahl ist für die Einstellung der Kurse verantwortlich.

Die Bildungsgenossenschaft Südniedersachen eG ist ein Zusammenschluss von aktuell 28 Bildungsanbietern aus der Region Südniedersachen. Ihr vordringliches Ziel ist es, durch die Initiation und Verstetigung von Kooperationen im Bildungssektor, die Qualität des Bildungsangebots in der Region zu verbessern. Inhaltlicher Schwerpunkt ist seit Jahren neben der Allgemeinen und Beruflichen Bildung die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten.

Kontakt: Dr. Natalia Hefele, Projektleiterin, Tel.: 0551 49569436, n.hefele@www.bildungsgenossenschaft.de

Weitere Informationen zur BIGS: http://www.bildungsgenossenschaft.de

Weitere Informationen zum BAMF und den Integrationskursen: http://www.bamf.de

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